Kreuzberg: Ende der Nischen

Gerade erst wurde eine Studie über die großflächigen Mietsteigerungen und kleinräumigen Aufwertungstendenzen in Kreuzberg veröffentlicht, nun drängt sich die Realität der Aufwertung ins Rampenlicht. Einer der letzten Nischen des preiswerten Wohnens in Kreuzberg droht die Zwangsversteigerung. Die Bewohner/innen der Reichenberger Straße 114 befürchten die Kündigung ihrer bisherigen Nutzungsverträge und eine Vertreibung aus dem Haus. Die Zwangsversteigerung findet am am 14.10.2008 um 9:00 Uhr im Saal I/144 in der Möckernstraße 130 statt.

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Neukölln wird verkauft

… dies jedenfalls glaubt der Tagesspiegel: Neukölln verkauft sich gut. Ob Rütli-Schule, preisgekrönte Spielfilme („Knallhart“ von Detlef Buck) oder Kurt Krömer – Neukölln ist zumindest zu einer vielgenutzten Marke geworden. Und jetzt gibt es auch noch „Luxuswäsche – Made in Neukölln“ (Berliner Morgenpost).

In Nordneukölln scheint dieser symbolische Imagegewinn sich auch in den stadträumlichen Strukturen niederzuschlagen. Gleich mehrere Medien bejubelten in der vergangenen Woche den Aufstieg des Problemviertels. n-tv.de konstatiert in einem Bericht über den Reuterkiez in Nordneukölln noch sachlich einen Wandel: Berlin-Neukölln im Wandel. BILD zeigt uns die neuen, schönen Seiten von Neukölln: Neukölln zieht immer mehr Kreative an. Der Problem-Kiez wird zum Szene-Viertel:

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Kleinräumige Aufwertungen in Kreuzberg

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Jungle World gibt es ein ausführliches Interview mit dem Stadtplaner Sigmar Gude von topos über die Ergebnisse der jüngsten Sozialstudien zu Kreuzberg: „Noch immer wird man als Krawattenträger in Kreuzberg 36 komisch angeschaut“.

Demnach weisen die Sozialstrukturen eine große Konstanz auf. „Es findet weder eine Verslumung statt, noch kommt es zu solch enormen Aufwertungs­tendenzen wie am Prenzlauer Berg.“ Dennoch wurden erhebliche Mietsteigerungen festgestellt:

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Luxus, Komfort, Sicherheit

Auf Indymedia gibt es einen ausführlichen Artikel zu den Car-Lofts in der Reichenberger Straße in Berlin Kreuzberg: Berlin: Luxus-Auto-Lofts in Kreuzberg. Neben einer ausführlichen Beschreibung des skurilen Wohnprojektes gibt es eine Einordnung der Luxuswohnungen in die allgemeinen Aufwertungsentwicklungen Kreuzbergs und eine Darstellung des bisherigen Protestes:

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Berliner Aufwertungsserie

Die Wochenzeitung Jungle World startete vor einigen Wochen eine Artikelserie „über die Gentrification in der Hauptstadt“. Bisher erschienen sind lesenswerte Beiträge zu Aufwertungsprozessen, in Neukölln, Kreuzberg und Prenzlauer Berg.

Im Artikel Die Avantgarde der Sanierung kritisiert Jörg Sundermeier die Neuhinzugezogenen in Nordneukölln, die „im Namen der Arbeiter­familien, die vorher in ihren Wohnungen wohn­ten“ das Wohngebiet gegen die Gentrification verteidigen und auf jene schimpfen, die nachziehen.

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Berlin: Gentrification doch kein Tabu

Während Gentrification die hiesigen Debatten oftmals polarisiert und sogar als Provokation empfunden wird, ist der Gebrauch der Vokabel im englischen Sprachgebrauch von einer großen Selbstverständlichkeit geprägt. Ein schönes Beispiel für den affirmativen Gebrauch des Gentrificationbegriffs bietet die Immobilienbeilage der New York Times: Grate Homes and Destination. Unter der Rubrik International Real Estate findet sich die Beschreibung für ein Verkaufsobjekt in der Kreuzberger Katzbachstraße. Gleich im ersten Absatz heißt es:

Kreuzberg, a fashionable neighborhood on the western side of the Berlin Wall in the heart of the unified city, is home to students, artists and young families. This historically Turkish immigrant neighborhood has in recent years undergone a gentrification process; there are upscale shops and a diverse array of restaurants, as well as a newly renovated market hall specializing in regional and organic foods.

… und da soll noch mal behauptet werden, Gentrification sei ein Schimpfwort. Zumindest im konkreten Fall der Katzbachstraße zahlt sich die Aufwertung regelrecht aus. Die 165 qm Wohnung soll für über eine halbe Million Dollar verkauft werden – das sind mehr als 400.000 Euro.

Berlin: Der Aufwertungszirkel

Eigentlich sind Meldungen über längst Bekanntes keine Zeitungsartikel wert, doch der Tagesspiegel in Berlin erinnert uns dankenswerter Weise in seiner aktuellen Ausgabe an eine unbeliebte Tatsache: Wohnen wird teurer. Zitiert wird diesmal eine Studie von Jones Lang LaSalle (JLL), die ein sogenanntes „Residential City Profile Berlin“ vorgelegt haben. Allein in den letzten sechs Monaten seien die Mieten in Berlin um 2,5 Prozent gestiegen. Doch interessant ist nicht nur der Fakt der Preissteigerungen, sondern deren raum-zeitliche Entwicklung. Die Geographie der Aufwertung in Berlin lässt sich für die vergangenen 18 Jahre als fast geschlossener Kreis über den Innenstadtbezirken darstellen…

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Erfolgsstory Kollwitzplatz?

Die kürzlich auch hier vorgestellte Sozialstudie 2008 für das Sanierungsgebiet Kollwitzplatz beschäftigt nun auch die lokalen Printmedien. Stefan Strauss stellt die Studie und die stadtpolitischen Reaktionen im Bezirk in der Berliner Zeitung vor und macht uns allen nochmal klar, dass die Sanierung mit öffentlichen Geldern finanziert wurde: 131 Millionen Euro für einen Kiez ohne Spießer. „Weitgehend als Erfolg“ bewertet Jochen Korfmacher vom Kreuzberger Büro für Stadtplanung, -forschung und -erneuerung (PFE) die Veränderungen der vergangenen 15 Jahre. Das sehen nicht alle so…

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Kollwitzplatz: Luxuskiez statt Arbeiterviertel

Die Beiträge zum Luxuswohnen in Berlin überschlagen sich förmlich. Nach den Beiträgen in der Berliner Zeitung (hier im Blog) und in dem Berliner Tagesspiegel (siehe hier) wagt sich nun auch die überregional erscheinende FAZ ans Thema: Berlin: Luxus für den Kiez. Dem dort zitierte Immobilienentwickler Maik Uwe Hinkel jedoch gefällt das Gerede von Luxuswohnungen gar nicht:

Als Kaufpreis für die 165 Quadratmeter großen 4-Zimmer-Wohnungen verlangt sein Unternehmen 450.000 bis 490.000 Euro. „Es ärgert mich, wenn da von Luxuswohnen die Rede ist“, sagt Hinkel und spielt auch auf die Vorbehalte an, die Neubauvorhaben wie diesem aus der Nachbarschaft entgegenschlagen. „Luxus fängt bei mir bei 10.000 Euro an.“ (Gemeint sind Kaufpreise pro Quadratmeter)

Doch unabhängig von den verschiedenen Kategorien des Luxuswohnens, die neuen Wohnungsangebote in Prenzlauer Berg richten sich an Besserverdienende. Und das nicht nur im Neubausegment. Wie sich diese Entwicklung auswirkt, zeigt eine kürzlich fertig gestellte Sozialstudie für das Sanierungsgebiet Kollwitzplatz (PFE 2008). Dort findet sich unter anderem der Hinweis, dass es nur noch 4 Prozent Arbeiter am Kollwitzplatz gibt. Diese und andere interessante Zahlen über die Veränderung der Sozialstruktur in den vergangenen 15 Jahren gibt es dort zu lesen:

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