Urban Villages: Wohnen ohne Gesinde

Die Immobilienbeilage der Berliner Zeitung von diesem Wochenende (30/31.August) wartet mit einem der Modethemen des Berliner Wohnungsmarktes auf. Unter dem Titel „Dorfleben für Großstädter“ werden sogenannte ‚Urban Villages‘ als neues Produkt des Berliner Immobilienmarktes angepriesen. Sie würden das „Beste aus Großstadt – und Landleben vereinen“ schreibt Autor Till Schröder. Im Unterschied zu den Townhouses, richten sich die ‚Urban Villages‘ jedoch nicht an die Superreichen…

Mehr zum Thema gibts in der taz, bei der Deutschen Welle und im Prenzlauer Berg Blog und auch hier im gentrificationblog.

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Wilhelmsburg macht Schule

Die von der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg Wilhelmsburg betriebenen Aufwertungsentwicklungen setzen vor allem auf die Attraktivierung des Gebietes für so genannte Kreative. Ein Beitrag in der Welt bestätigt diesen Eindruck – Kreativ und modern sein in Wilhelmsburg:

Der Plan, Künstler und junge Engagierte nach Wilhelmsburg zu locken, scheint aufzugehen. „Immer mehr Menschen fühlen sich von der urban-ländlichen Hafenromantik angezogen. Die Nachfrage nach Atelier- und Büroräumen wächst ständig“, sagt IBA-Sprecherin Iris Groscurth. Nicht nur die günstigen Mieten überzeugen, auch die Vielfalt und Aufbruchstimmung in dem als Problemviertel stigmatisierten Stadtteil reizen Kreative.

Neu ist, dass dieses Konzept ganz explizit von anderen Städten aufgegriffen wird. Eine Berliner IBA 2017 soll die bisherige Ideenlosigkeit für die Gestaltung des Flughafengelände Tempelhof lösen und auch in Hessen erhoffen sich die politischen Parteien einen Schub für die Enstehung kreativer Viertel durch eine IBA Frankfurt/Rhein-Main. Der Frankfurter Stadtrat Boris Rhein (CDU) formuliert in einem Interview in der Frankfurter Rundschau die Hoffnung auf neue Impulse für den innerstädtischen Wohnungsmarkt:

Ein anderer wichtiger Punkt ist Frankfurt als Wohnraum. Wohnen muss in die Stadt zurückkehren. Der Klimawandel, die steigenden Energiepreise, die demografische Entwicklung und das Bedürfnis, Familie, Freizeit und Beruf enger zu vernetzen, beschleunigen den Trend.

Berlins Mitte immer teurer

Bisher wurden Verdrängungs- und Aufwertungsdynamiken in Berlin oftmals mit den Modernisierungsarbeiten in den Sanierungsgebieten verbunden. Die aktuelle Zahlen des Berliner Wohnungsmartktberichtes zeigen, dass auch nach der Hochphase der Stadterneuerung die Mieten weiter steigen. So weisen die Sanierungsgebiete in Mitte und Prenzlauer Berg inzwischen durchschnittliche Angebotsmieten von 8 bis 9 Euro/qm (nettokalt) auf – das sind fast schon Münchener Mietpreise. In einer Kurzmeldung im Tagesspiegel wird dieser Trend wie folgt zusammengefasst „MIttelschicht wird Berlins Mitte zu teuer„.

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Aufwertungsängste

Die Welt-Online macht sich Sorgen. Um Berlin. Anlass ist dass Bürgerbegehren gegen die Investorenpläne von Media Spree und die dahinter stehende Furcht vor Gentrification. Unter dem Titel „Das ist die Berliner Angst“ polemisiert der Beitrag gegen die völlig unbegründeten Verdrängungsbefürchtungen. Besonders schlimm: die Intoleranz der Aufwertungsgegner/innen. Selbst kleine Cafes werden nicht verschont:

Es liegt einen Spaziergang entfernt von dem umkämpften Ufer und ist doch ein Ort, wo man alles darüber lernen kann. Denn dort – auf dem Boden neben einer ausgemusterten Espressomaschine – steht ein Eimer mit Fassadenfarbe. Die Besitzerin, eine junge Mutter, die sich Kind und Café mit dem Vater teilt, hat erst vor zwei Wochen wieder streichen müssen: „Yuppie scum“ hatte diesmal jemand auf die Wand geschmiert: „Yuppie-Abschaum“. Wer diese jungen Eltern in Latzhosen für Yuppies hält, der fürchtet sich erst Recht vor Hochhäusern.

Völlig überzogen sei der Vergleich mit Entwicklungen in den Metropolen der USA und wirklich verdrängt wird in Berlin ja auch niemand:

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Die dritte Welle der Verdrängung

Gewerbestrukturen und die Aufwertung von Nachbarschaften waren lange Zeit ein nur wenig beachtetes Thema in der Gentrificationdebatte. Wenn Veränderungen der Verkaufsangebote und gastronomischen Einrichtungen in Aufwertungsvierteln Beachtung fanden, dann meist als Indikator für der Austausch der Bewohnerschaft und die Hegemonie neuer Lebensstile und Konsumweisen. In der Berliner Spandauer Vorstadt – also der Gegend rund um den Hackeschen Markt – beklagen die Gewerbetreibenden der zweiten Aufwertungsgeneration mittlerweile den nochmals gestiegenen Druck auf die Gewerbemieten und verlagern zum Teil ihre Geschäfte nach Prenzlauer Berg.

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Media Spree. Treffer! Versenkt?

In den Berliner Medien und auch bundesweit war es in der vergangen Woche d a s Thema der Berliner Stadtpolitik: Media Spree – oder besser, das Bürger/innenbegehren zur Beschränkung der Investorenpläne bei der Entwicklung der Spreeuferzone in Kreuzberg/Friedrichshain. Nicht nur das Stadtmagazin zitty [1 | 2 | 3] berichtete, sondern auch im Tagesspiegel, der Berliner Morgenpost und der Berliner Zeitung waren längere Beiträge zu finden. Sogar die Frankfurter Rundschau hat sich des Themas mit einem ganzseitigem Artikel angenommen. Was das ganze mit Gentrification zu tun haben soll, gibt es hier nachzuhören.

Glückwunsch der Initiative Mediaspree Versenken! und den vielen anderen, die mit ihrer Stimme zum Erfolg der Abstimmung beigetragen haben. Doch wie wird es jetzt weitergehen?

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Zu schlecht für die Aufwertung?

Fast möchte man von einem kleinen Boom sprechen: Gentrification ist im Laufe des letzten Jahres als Begriff in der deutschsprachigen Öffentlichkeit bekannt geworden. Karin Baumert hat sich in weiser Voraussicht schon im vergangenen Sommer beim BKA für diesen Popularitätsschub bedankt und festgestellt: „Gentrifizierung ist Terror“.

Doch nicht nur, dass nun alle Welt zu wissen scheint, was es mit der Gentrification auf sich hat, der Begriff wird auch noch fast inflationär gebraucht. War es lange Zeit selbst bei eindeutiger Sach- und Faktenlage umstritten, die Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse beim Namen zu nennen, wird heutzutage gefühlt jede Neueröffnung einer Galerie oder In-Location und jeder Eigentümerwechsel mit einer Gentrifcationanalyse verbunden. Insbesondere in bisher eher als Problemviertel gehandelten Nachbarschaften wie Hamburg Wilhelmsburg oder Berlin Neukölln wirkt dies für viele überraschend. Doch was ist dran an der Aufwertung in bisher abgehängten Stadtlagen?

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Kein Sternchen für die Verdrängung

Nun werden viele der Neuansiedler in Prenzlauer Berg auch noch bei der Morgenlektüre ihrer Lieblingszeitung mit dem Gentrificationvorwurf konfrontiert. Das musste einfach zu Reaktionen führen: Erst fühlt sich eine Journalistin durch den Anruf einer Mitarbeiterin des Sanierungsträgers verunsichert, dann regt sich in den Onlinekommentaren das Klassenbewusstsein der Leserschaft. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung zeigt, warum Gentrification noch immer ein umstrittener Begriff ist.

Doch beginnen wir von vorn: Charlotte Frank hat einen ansehnlichen Artikel zur „Vertreibung aus dem reichen Herz der Städte“ in der Süddeutschen Zeitung geschrieben und wenig verwunderlich Prenzlauer Berg als eines der Fallbeispiele ausgewählt. Prenzlauer Berg – so haben ihre Recherchen ergeben – ist inzwischen vor allem von jüngeren Bevölkerungsgruppen bewohnt und die Mieten liegen deutlich über den Berliner Durchschnittswerten. Diese Tatsachen allein verwundern noch nicht, dass solche Beobachtungen als Gentrification bezeichnet werden, schon.

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Die Entdeckung der Gentrification

Wer weiss, was Gentrification ist? Jedenfalls in Berlin wurde sich lange Zeit um den Begriff herum gedrückt.

Seit Jahren verweigern sich die Verantwortlichen der Stadtentwicklung in Berlin für die Sanierungsgebiete in Ostberlin einen Gentrificationbefund anzuerkennen. Gentrification, ist das nicht die Verdrängung der ärmeren Bevölkerungsgruppen aus einem Stadtviertel? Richtig, und genau dies zu verhindern war ein Ziel der Sanierungssatzungen. Kein Wunder also, dass Senatsverwaltungen, Sanierungsbeauftragte und Mieterberatung die Veränderungen unisono als ‚ganz normalen Wandel‘ darzustellen suchten. Alles andere wäre ein Eingeständis des eigenen Scheiterns. Und ehe die Realität der Niederlage anerkannt wird, ist es doch viel bequemer, die Realität umzuschreiben.

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